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OpenSharing wird offener Standard:
KI-Daten teilen ohne Lock-in

Databricks übergibt OpenSharing an die Linux Foundation. Wie der offene Standard Datensilos aufbricht und dem Mittelstand Vendor-Lock-in erspart.

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ATLAS Consulting Redaktion
13. Juni 2026 · 6 Min Lesezeit
hub

Databricks hat am 12. Juni 2026 sein Datenaustausch-Protokoll OpenSharing an die Linux Foundation übergeben. Damit wird aus einer Firmen-Technologie ein neutral verwalteter offener Standard, der Daten, KI-Modelle und Agent-Skills über Plattform- und Cloud-Grenzen hinweg teilbar macht. Für den Mittelstand ist das weniger eine Schlagzeile als eine stille Weichenstellung gegen Vendor-Lock-in.

Was Databricks angekündigt hat

OpenSharing ist ein offenes Protokoll, das den sicheren Austausch von Daten und KI-Assets zwischen verschiedenen Systemen regelt. Standardisiert werden drei Dinge: das Auffinden von Datensätzen, die Autorisierung des Zugriffs und die eigentliche Zugriffsschnittstelle. Geteilt werden können nicht nur Tabellen, sondern auch unstrukturierte Daten, KI-Modelle und Agent-Skills.

Technisch arbeitet OpenSharing nach dem Zero-Copy-Prinzip: Die Daten bleiben physisch in ihrem Quellspeicher liegen, der Empfänger greift über zeitlich befristete, vorsignierte Links direkt darauf zu. Es wird also keine Kopie über fremde Server geschoben. Das Protokoll unterstützt die Formate Delta Lake und Apache Iceberg und baut auf dem 2021 vorgestellten Delta Sharing auf, geht aber über reine Tabellendaten hinaus. Hinter dem Standard stehen unter anderem SAP, Atlassian, Stripe, die London Stock Exchange Group sowie die Speicheranbieter NetApp und HPE.

Warum das für den Mittelstand zählt

Viele KMU sitzen auf Datensilos, ohne es so zu nennen: Das CRM kennt die Kunden, die Buchhaltung die Zahlen, das Lager die Bestände — drei Systeme von drei Anbietern, die sich nicht sauber miteinander verbinden lassen. Genau dieser Zustand bremst KI-Projekte aus, denn ein nützlicher KI-Assistent braucht Zugriff über Systemgrenzen hinweg.

Ein offener Austauschstandard senkt die Hürde, Daten kontrolliert zwischen Systemen oder mit Partnern zu teilen, ohne sich an einen einzigen Anbieter zu ketten. Wer heute eine Plattform wählt, fragt zu Recht: Komme ich später wieder heraus. Mit einem neutralen Standard im Rücken wird diese Frage entspannter — und die Verhandlungsposition gegenüber jedem Anbieter besser.

Ein offener Standard verändert die Machtfrage: Nicht mehr der Anbieter entscheidet, ob Sie Ihre Daten mitnehmen können, sondern Sie.

Use-Cases aus der Praxis

Daten mit Partnern teilen, ohne sie zu verschicken

Ein Zulieferer soll wöchentlich Bestandszahlen erhalten. Bisher landet dafür eine Excel-Datei per Mail im Postfach — unkontrolliert, veraltet, ein Datenschutzrisiko. Über einen offenen Sharing-Standard erhält der Partner stattdessen einen befristeten Lesezugriff auf den aktuellen Stand. Die Daten bleiben im eigenen Haus, der Zugriff lässt sich jederzeit entziehen.

KI-Modelle ohne Plattformbindung nutzen

Wer ein KI-Modell oder einen Agent-Skill einsetzt, will ihn nicht in einer Plattform einmauern. Ein Standard, der Modelle und Skills wie Daten behandelt, erlaubt es, sie zwischen Umgebungen zu bewegen — etwa von einer Test- in eine Produktivumgebung oder zwischen zwei Cloud-Anbietern.

Datensouveränität für regulierte Branchen

Gerade für Unternehmen mit DSGVO-Pflichten ist das Zero-Copy-Prinzip relevant: Die Daten verlassen den eigenen Speicher nicht. Das vereinfacht die Argumentation gegenüber Datenschutzbehörden und passt zu der Forderung nach Datensouveränität, die in Europa zunehmend Gewicht bekommt.

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Warnhinweis: Standard ist nicht gleich fertige Lösung Ein offenes Protokoll ist eine Grundlage, kein Produkt. Bis OpenSharing in den gängigen Mittelstands-Tools ankommt, vergeht Zeit. Wer heute eine Plattform auswählt, sollte nicht auf den fertigen Standard warten, sondern im Vertrag auf offene Export- und Schnittstellen-Optionen bestehen.

Was das praktisch bedeutet

OpenSharing richtet sich zunächst an Daten- und Plattform-Anbieter, nicht direkt an den Endkunden im Mittelstand. Der Nutzen kommt indirekt: Je mehr Anbieter den Standard unterstützen, desto leichter lassen sich Systeme später wechseln oder verbinden. Für ein KMU ist die richtige Reaktion daher kein sofortiges Projekt, sondern eine geänderte Frage bei der nächsten Software-Auswahl.

Statt nur auf Funktionen und Preis zu schauen, lohnt die Frage nach offenen Standards: Unterstützt der Anbieter etablierte Austausch- und Exportformate. Wer das im Auswahlprozess verankert, baut sich Schritt für Schritt eine Systemlandschaft, die nicht an einen einzigen Hersteller gebunden ist.

Ansatz Merkmal Für wen geeignet
Proprietäres Datensilo Schneller Start, schwerer Ausstieg Kleine Einzellösungen ohne Vernetzung
Datei-Export per Mail Einfach, aber unkontrolliert Gelegentlicher Austausch, geringes Risiko
Offener Sharing-Standard Kontrollierter Zugriff, kein Lock-in Wachsende Systemlandschaft, regulierte Daten

Fazit

Die Übergabe von OpenSharing an die Linux Foundation ist kein Grund zur Eile, aber ein gutes Signal. Offene Standards verschieben die Machtfrage zugunsten der Anwender und nehmen einem KI-Projekt langfristig das größte Risiko: dass die eigenen Daten am Ende einem fremden Anbieter gehören.

Für den Mittelstand zählt vor allem die Haltung, nicht das einzelne Protokoll. Wer bei jeder Software-Auswahl konsequent nach offenen Schnittstellen fragt, baut sich Verhandlungsmacht und Flexibilität auf — unabhängig davon, welcher Standard sich am Ende durchsetzt.

Bei ATLAS Consulting achten wir bei jeder KI-Integration darauf, dass die Daten unserer Kunden zugänglich und exportierbar bleiben. Unsere Empfehlung: keine Plattform ohne klaren Weg nach draußen — denn der teuerste Anbieter ist der, den man nicht mehr loswird.

A
ATLAS Consulting Redaktion
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