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Praxis

Kärcher verlässt Microsoft
Was der Wechsel zu Google Workspace für den Mittelstand bedeutet

Kärcher stellt 17.000 Arbeitsplätze auf Google Workspace und Gemini um — bewusst weg von Microsoft. Warum das für den Mittelstand ein Signal ist.

A
ATLAS Consulting Redaktion
9. Mai 2026 · 6 Min Lesezeit
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Kärcher, der schwäbische Weltmarktführer für Reinigungstechnik mit rund 17.000 Beschäftigten, hat den kompletten Arbeitsplatz von Microsoft auf Google Workspace umgestellt — inklusive Gemini als Standard-KI. Die Entscheidung fiel bewusst gegen eine Fortführung des Microsoft-Stacks. Für den deutschen Mittelstand ist das ein seltenes Praxisbeispiel: ein Traditionsunternehmen, das den Vendor-Wechsel nicht scheut und dabei Souveränität über den eigenen Technologie-Stack zurückgewinnt.

Was Kärcher wirklich umgestellt hat

Kärcher nutzt seit dem Abschluss der Migration Gmail, Kalender, Drive, Chat und Meet — also den vollständigen Google Workspace. Microsoft Office und Teams werden intern nicht mehr als Standard geführt; der Restbestand liegt laut CIO Leonhard Kerscher bei unter zehn Prozent.

Als KI-Lösung setzt Kärcher flächendeckend auf Googles Gemini. In der Softwareentwicklung kommt ergänzend GitHub Copilot zum Einsatz. Die Vorgabe kam direkt von der Geschäftsleitung: Man wollte bewusst nicht einfach mit Microsoft weitermachen, sondern die Zusammenarbeit im Unternehmen grundsätzlich verändern.

Dem unternehmensweiten Rollout ging ein Pilotprojekt von rund eineinhalb Jahren voraus. Die Migration betraf alle 17.000 Arbeitsplätze weltweit.

Warum das für den Mittelstand zählt

Die meisten deutschen Mittelständler arbeiten mit Microsoft 365. Nicht, weil sie sich bewusst dafür entschieden haben, sondern weil es historisch gewachsen ist. Kärchers Schritt zeigt, dass ein vollständiger Plattformwechsel auch bei 17.000 Arbeitsplätzen machbar ist — und dass die Alternative kein Kompromiss sein muss.

Helpdesk-Tickets um 80 Prozent gesunken

Nach Kerschers Angaben sanken die Helpdesk-Tickets im Bereich E-Mail und Kalender nach der Migration um 80 Prozent. Typische Outlook-Probleme wie beschädigte Profile, Synchronisierungsfehler oder Abstürze entfielen vollständig. Für IT-Abteilungen im Mittelstand, die regelmäßig Outlook-Tickets bearbeiten, ist das eine relevante Kennzahl.

Gemini als Standard-KI statt Copilot

Statt Microsoft Copilot setzt Kärcher auf Gemini — Googles KI-Assistent, der in Workspace integriert ist. Der Vorteil für den Anwender: KI-Funktionen sind direkt in Gmail, Docs und Sheets verfügbar, ohne separates Lizenzmodell. Für Unternehmen, die KI erst einführen, reduziert das die Einstiegshürde.

Multi-Vendor als Schutzstrategie

CIO Kerscher begründet die Entscheidung auch mit digitaler Souveränität: Ein Multi-Vendor-Ansatz schütze vor Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Wer heute auf Microsoft 365, Copilot und Azure setzt, bindet Arbeitsplatz, KI und Cloud an denselben Anbieter. Kärcher verteilt bewusst auf Google (Workplace), GitHub (Entwicklung) und eigene Systeme.

80 Prozent weniger Helpdesk-Tickets, ein bewusster Bruch mit der Microsoft-Monokultur und KI aus einer Hand — Kärcher zeigt, dass der Plattformwechsel kein Wagnis sein muss, sondern eine strategische Entscheidung.

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Praxis-Tipp Bevor Sie über einen Plattformwechsel nachdenken, messen Sie den Status quo: Wie viele Helpdesk-Tickets entfallen auf E-Mail- und Kalenderprobleme? Wie hoch sind die Lizenzkosten pro Arbeitsplatz? Und wie viele Ihrer Mitarbeiter nutzen mehr als drei Microsoft-Produkte aktiv? Erst mit diesen Zahlen lässt sich seriös bewerten, ob ein Wechsel lohnt.

Kosten und Aufwand

Google Workspace Business Starter kostet regulär 7 Euro pro Nutzer und Monat, Business Standard 14 Euro. Microsoft 365 Business Basic liegt bei 6 Euro, Business Standard bei 12,50 Euro. Die reinen Lizenzkosten sind also vergleichbar. Der eigentliche Aufwand liegt in der Migration selbst: Kärcher brauchte eineinhalb Jahre Pilotphase vor dem Rollout. Für ein Unternehmen mit 50 bis 200 Arbeitsplätzen ist der Zeitrahmen deutlich kürzer — erfahrungsgemäß drei bis sechs Monate inklusive Schulung.

In unseren Projekten bei ATLAS Consulting sehen wir, dass der entscheidende Kostenfaktor nicht die Lizenz ist, sondern die Schulung und die Migration bestehender Daten. Wer das sauber plant, gewinnt langfristig Flexibilität und oft auch Stabilität.

KriteriumMicrosoft 365Google Workspace
KI-AssistentCopilot (Aufpreis ca. 30 €/Nutzer)Gemini (in Business-Plänen enthalten)
E-Mail-StabilitätOutlook (profilabhängig)Gmail (webbasiert, kaum Profilprobleme)
Vendor Lock-inHoch (Office-Formate, Teams, Azure)Mittel (offene Formate, Google-Ökosystem)
Pilotdauer (17.000 MA)Rund 1,5 Jahre (Kärcher)
Für KMU geeignetJa, etabliertJa, wachsend

Fazit

Kärchers Wechsel ist kein Einzelfall, aber einer der größten dokumentierten Fälle in Deutschland. Die Entscheidung zeigt, dass die Microsoft-Dominanz im Arbeitsplatzbereich kein Naturgesetz ist — und dass Google Workspace mit Gemini eine ernstzunehmende Alternative darstellt, besonders für Unternehmen, die KI-Funktionen ohne zusätzliche Lizenzkosten nutzen wollen.

Für den Mittelstand ist die Lektion weniger „Wechseln Sie sofort" als vielmehr: Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihr aktueller Stack noch der beste ist. Und wenn nicht — scheuen Sie den Wechsel nicht. ATLAS Consulting unterstützt Unternehmen bei der Bewertung und Umsetzung solcher Plattformentscheidungen.

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ATLAS Consulting Redaktion
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